Trainstation

Zugkompliziert.

In dem Film in deinem Kopf wäre es dunkel gewesen. Du hättest in die Dunkelheit des vollen Zugabteils gestarrt und der Regen wäre in dicken, schweren Tropfen schräg im Fahrtwind des Zuges an der Scheibe hinunter gelaufen. Stattdessen sitzt du da, im grellem, kalten Licht der Neonröhren. Es regnet nicht, aber der Zug ist trotzdem bis auf den letzten Platz besetzt. In den Gängen stehen dicht gedrängt die Menschen. Du willst niemanden ansehen und du willst kein Licht. Also schließt du die Augen und trotzdem ist es noch zu hell. Aber die geschlossenen Lider lassen die feuchten Augen nicht noch feuchter werden. Doch es ist egal, ob du die Augen geschlossen hältst oder offen, da ist dieses Bild von einem Gesicht, dass sich in dein poetisches Gedächtnis eingebrannt hat: die nassen aus dem Gesicht gestrichenen Haare, der kleine, kaum sichtbare Fleck an der Unterlippe. Du setzt die Kopfhörer auf und schaltest die Musik ein, um dich ein Stück mehr in dich zurückzuziehen. Es spielt das Lied mit der leisen Gitarre und den Bläsern, das du in den nächsten Tagen immer wieder hören wirst. Du wechselst den Zug, die Menschen werden weniger, das Licht weniger grell. Und als du dort aussteigst, wo du nur noch wenige Meter von dem Ort entfernt bist, den du Zuhause nennst, shuffelt die Musik diesen furchtbaren Song, der schon die ganzen letzten Tage lief. Du bekommst ihn nicht aus dem Kopf. Wie das Bild von diesem einen Gesicht aus deinem poetischen Gedächtnis.

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