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somewhere

Zurück im Neuland.

Ein paar Tage raus. Gerade mal ein verlängertes Wochenende bin ich dem Alltag entflohen, aber es fühlte sich an, als wären es mindestens zehn Tage Urlaub gewesen. Am letzten Mittwoch habe ich das kaputte Smartphone gegen ein anderes getauscht und keine Apps außer Twitter installiert und bin am nächsten Morgen sehr früh in Richtung Süden gefahren: um Freunde zu treffen, auf Berge zu steigen und deftige Mahlzeiten zu mir zu nehmen. Ab dem nächsten Tag war Schluss: mit Internet, Telefonieren, Nachrichten schreiben, informieren. Telefon aus! Kopf aus! Bis Montagabend. 

Ich bin wieder Zuhause. Ich habe selbstverständlich den Laptop aufgeklappt und das WLAN Radio eingeschaltet. Ich habe gehört und gelesen, was in den letzten Tagen passiert ist, in denen ich offline war. Am liebsten hätte ich den Laptop wieder zugeklappt und das Radio ausgeschaltet. Aber das ist wahrscheinlich genau das, was die meisten Menschen momentan tun, wenn sie von Überwachung lesen: weil sie es nicht hören wollen, nicht verstehen oder besser gar nicht verstehen wollen. Verdrängung ist ein gutes Instrument für ein vermeintlich heiles Leben.

Ich klappe also den Laptop nicht zu: ich lese weiter, kommuniziere, schreibe einem Freund eine unverschlüsselte Nachricht. Er antwortet, er sei jetzt richtig “aluhutig” drauf, ob wir nicht verschlüsselt kommunizieren können. Klar. Seine Kommunikation hat sich verändert, meine auch, die vieler anderer Menschen auch. Sie ist nicht mehr so frei, wie sie es sein sollte. Es macht mich nachdenklich, beides: dass die einen das Thema Überwachung wegschieben und die anderen scheu unter einem Aluhut hervorluken.

Ich brauche Urlaub.

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