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nackte Füße

Mit nackten Füßen

Alles fühlt sich so lebendig an, wenn deine Füße, die monatelang in dunklen Schuhen eingeschlossen waren, den nassen Asphalt unter sich spüren. Selbst geteerte Straßen versprühen das Gefühl von Frühling, wenn deine baren Zehen nur noch angenehm kühl vom Regen werden und nicht mehr umgeben von festem Leder frieren. Der vertraute Geruch von Ozon liegt in der Luft nach einem Frühlingsregen.

Es ist dieser Duft, der Menschen wie an unsichtbaren Fäden aus ihre Häusern zieht. Wie Marionetten der ersten warmen Tage laufen sie auf Stein und fühlen sich als würden sie auf satten, grüne Wiesen spazieren gehen. Du fängst an zu hüpfen. Du vergisst die helle Jeans, an die das dunkle Wasser der Straße spritzt. Du vergisst den Stein und die anderen Menschen um dich herum. Du hörst nur das patschende Geräusch von nackten, springenden Füßen auf nasser Straße. Die harten Kanten der Stadt sind wie weichgezeichnet. Es sind so einfache Dinge wie deine nackten Füße auf nassen Wegen, die dich glücklich machen.

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Neuköllner Eiswelt.

Noch vor wenigen Wochen glaubte ich, dass es sich mit dem diesjährigen Winter erledigt habe. Die Temperaturen dümpelten um herbstliche zehn Grad und ich hatte mir noch nicht einmal die Mühe gemacht zu schauen, wo denn eigentlich meine Winterhandschuhe abgeblieben sind.

Vor zwei Wochen dann das böse Erwachen – der Winter ist da! Mit Minusgraden, Schnee und roter Nase!

Meinen persönlichen Höhepunkt fand die neue Winterlichkeit am heutigen Sonntag. Zwischen Lohmühle und Estrel ging es auf dem Neuköllner Schiffahrtskanal zu wie bei einem Volksfest. Jung und Alt hatten Kufen unter den Füßen, Schlitten unterm Hintern, Eishockeyschläger undf Gitarren in der Hand oder schmissen sich bäuchlings auf die Schlitterbahnen auf der sonst verschneiten Eisfläche. Selbst Skateboard und Fahrrad wurde auf dem Eis gefahren, was beizeiten für das ein oder andere Amüsement der Sonntagsspaziergänger sorgte. Auch bei mir!

Und wie es sich für einen Berliner Sonntag gehört, durfte trotz eisiger Temperaturen ein kleines, elektronisches OpenAir nicht fehlen. Am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer stand eine “Robbe”, aus der Techno wummerte. Am Ufer standen ein paar zu kalt angezogene, mit dem Kopf nickende Hipster um die Robbe, ihre Hände an Glühwein wärmend. Auf dem Eis – eine große winterliche Sause für Menschen, die noch in ganz kleine Schlittschuhe passen. Aber auch eben solche, die schon die großen Schlittschuhe brauchen. Schön, dass der Winter Berlin doch noch gefunden hat.

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Neuköllner Stadtmusikanten.

Die ersten Sonnenstrahlen verirren sich zwischen die Schluchten der Berliner Häuser und die kargen Bäume und der triste Kanal wirken bei sonnengelber Fröhlichkeit gleich viel freundlicher. Ich laufe den Kanal vom bunten Kreuzberger Treiben in Richtung Neuköllner Industrie.
Fast am letzten Ende des Schiffahrtskanals, kurz bevor der Kanal eine Biegung macht, wo die letzten Häuser vor dem Industriegebiet stehen, da finde ich sie: die Neuköllner Stadtmusikanten. Fünf südländisch aussehende Männer sind das. Sie sind alt und jung und sie haben ein Akkordeon, eine Trommel, eine Gitarre, eine Geige und noch eine Geige dabei. Und sie ziehen um die Häuser mit ihrem Instrumenten auf diesen verschlafenen Ecken Neuköllns, fast am Ende des Kanals, bevor eine Biegung in die Industrie macht. Und diese Männer, Deutsch-Türken vielleicht, machen Lieder, die so klingen als kämen sie aus Frankreich. Außer mir lauscht nur noch eine Frau und ihr Hund den Klängen der Männer. Und ich fühle mich ein bisschen wie in Paris und ein bisschen wie am Bosporus und vor allen Dingen fühle ich mich sehr in Neukölln.

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