Kategorie-Archiv: In Berlin.

radiobuero

Das hörbare Hörfunkparadies.

Manchmal brauchen Dinge Zeit. Auch das Schreiben von Beiträgen. Seit Oktober arbeite ich im Paradies. Dem Hörfunkparadies Radiobüro im schönsten Stadtteil Berlins. Wir sind ein netter Haufen Hörfunkjournalisten und ein feiner Herr Podcaster. Wir teilen uns nicht nur ein kleines Studio, den Kaffee und einen großen Raum mit Schreibtischen, wir teilen auch einen Podcast. Die erste Folge könnt Ihr hier anhören, es ging um On Air Personalities. Bald wird es auch einen Feed auf unserer Seite geben. Zuhören und Feedback geben! Wir freuen uns!

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somewhere

Zurück im Neuland.

Ein paar Tage raus. Gerade mal ein verlängertes Wochenende bin ich dem Alltag entflohen, aber es fühlte sich an, als wären es mindestens zehn Tage Urlaub gewesen. Am letzten Mittwoch habe ich das kaputte Smartphone gegen ein anderes getauscht und keine Apps außer Twitter installiert und bin am nächsten Morgen sehr früh in Richtung Süden gefahren: um Freunde zu treffen, auf Berge zu steigen und deftige Mahlzeiten zu mir zu nehmen. Ab dem nächsten Tag war Schluss: mit Internet, Telefonieren, Nachrichten schreiben, informieren. Telefon aus! Kopf aus! Bis Montagabend. 

Ich bin wieder Zuhause. Ich habe selbstverständlich den Laptop aufgeklappt und das WLAN Radio eingeschaltet. Ich habe gehört und gelesen, was in den letzten Tagen passiert ist, in denen ich offline war. Am liebsten hätte ich den Laptop wieder zugeklappt und das Radio ausgeschaltet. Aber das ist wahrscheinlich genau das, was die meisten Menschen momentan tun, wenn sie von Überwachung lesen: weil sie es nicht hören wollen, nicht verstehen oder besser gar nicht verstehen wollen. Verdrängung ist ein gutes Instrument für ein vermeintlich heiles Leben.

Ich klappe also den Laptop nicht zu: ich lese weiter, kommuniziere, schreibe einem Freund eine unverschlüsselte Nachricht. Er antwortet, er sei jetzt richtig “aluhutig” drauf, ob wir nicht verschlüsselt kommunizieren können. Klar. Seine Kommunikation hat sich verändert, meine auch, die vieler anderer Menschen auch. Sie ist nicht mehr so frei, wie sie es sein sollte. Es macht mich nachdenklich, beides: dass die einen das Thema Überwachung wegschieben und die anderen scheu unter einem Aluhut hervorluken.

Ich brauche Urlaub.

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Netzneutralität

Unterwegs. Im Netz. #1: Johannes Scheller – Netzneutralität

Der Netzpolitik fehlt der Nachwuchs! Ein Vorwurf, der mir in den letzten Monaten häufig begegnet ist. Johannes Scheller ist 19 Jahre alt, studiert Physik in Tübingen und hat erfolgreich die Petition 41906 für Netzneutralität gestartet. Hier ist er, der netzpolitische Nachwuchs! Ende Juni wird er vor dem Petitionsausschuss des Bundestages sprechen. Ich traf ihn diesen Mittwochmorgen in Berlin kurz nachdem er die Nachricht erhalten hatte… Johannes Scheller wirkt nicht wie ein 19-jähriger. Er sieht zwar jung aus, ist aber sehr reif. Ich glaube mit 19 nicht so viel Selbstvertrauen gehabt zu haben. Vielleicht habe ich aber auch schlichtweg vergessen, wie man so mit 19 ist. Vielleicht sind es aber auch die vielen Interviews die Johannes Scheller in so kurzer Zeit gegeben hat, die ihn zu einem gelassenen und selbstbewussten Interviewpartner machen. In meiner Küche sprechen wir bei schwarzem Kaffee über Netzneutralität und netzpolitische Begeisterung unter jungen Menschen.

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Radiostudio

Mehr für die Ohren!

In den vergangenen zwei Jahren sind mir viele spannende Menschen, Themen und Geschichten über den Weg gelaufen. Viel davon ist in meine Arbeit geflossen, aber nicht alle Themen passen ins Programm oder zumindest nicht in dem Umfang, den ihnen gerne geben würde. Deshalb wird es an dieser (oder ähnlicher) Stelle in Zukunft einen unregelmäßig erscheinenden Podcast, “Unterwegs” wie der Titel des Blogs, geben – zu Menschen, Themen und Geschichten, die ich spannend und hörenswert finde. Außerdem möchte ich in Zukunft auch geschriebene Beiträge von mir vertonen. Das alles steckt noch in den Kinderschuhen, aber ein erster Schritt ist getan:

Heute habe ich Johannes Scheller getroffen. Er hat die Petition zur Netzneutralität  ins Leben gerufen und innerhalb von nicht mal drei Tagen die nötigen 50.000 Stimmen für eine Anhörung im Petitionsausschuss des Bundestages zusammen bekommen. In der letzten Juniwoche wird er wieder in Berlin sein um dort zu sprechen. In der ersten Folge von “Unterwegs. Im Netz.” habe ich mit Johannes über Netzneutralität, die Petition und netzpolitisches Interesse bei jungen Menschen gesprochen. In Anbetracht der Aktualität des Themas werde ich versuchen den Podcast möglichst bald online zu stellen, auch wenn das Layout noch nicht fertig produziert ist. To be continued.

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Lassen

Lassen

Es war ein kalter Wintertag gewesen. Wir waren zum Mittagessen verabredet. Sie mochte entgegen der vielen hippen Friedrichshainer nicht die neuen veganen Cafés. Sie liebte gutes, deftiges Essen. Ich wartete an der geschäftigen Straßenecke an der sich die kleine Fleischerei, mit dem von ihr für gut befundenen Mittagstisch, befand. Autos, Fahrräder und Menschen rauschten an mir und der kleinen Fleischerei vorbei. Es roch gut nach Gulasch und Sauerkraut. Es war erst fünf Minuten nach der verabredeten Zeit. Ich wusste sie würde nicht kommen. Ich wusste sie würde auf meinen Anruf nicht reagieren. Ich probierte es trotzdem. Mit kalten Fingern wählte ich ihre Nummer, ließ lange läuten. Sie hob nicht ab. Wie so oft. Ich schrieb ihr eine Nachricht, dass ich drinnen auf sie warten und schon etwas bestellen würde. – In dem Wissen, dass sie diese Nachricht zwar lesen aber ebenfalls nicht auf sie reagieren würde. Wie so oft. Beim nächsten Treffen würde sie wieder vorgeben, keine meiner Nachrichten hätte sie erreicht. Keinen meiner Anrufe hätte sie gehört, noch auf dem kleinen Display ihres alten Handys gesehen. Ich werde nicht böse sein. Ich bin es nicht. So ist sie.

Hätte jemand anderes mich an diesem Mittag an der Straßenecke im Friedrichshain stehengelassen, ich hätte mich sicher geärgert. Aber nicht bei ihr. Sie gehört zu diesen Menschen, die hin und wieder verschwinden. Von einem Tag auf den anderen entscheiden sie, dich für eine zeitlang auf ihrem Leben auszuschließen. Sie ziehen sich in eine Welt zurück, in der dann nur andere Gedanken und Menschen Platz finden. Vielleicht weil für alles andere keine Kraft da ist.

Sie verschwindet dann immer auf unbestimmte Zeit. Ich werde ihr nicht begegnen. Ich werde ihr zwar schreiben, aber nichts sagen können. Sie will nichts hören von Vermissen und von Liebe. Sie will nur wissen, dass ich trotzdem da bin, auch wenn sie es nicht sein kann. Ich werde sie wiedersehen. Irgendwann. Vorher wird sie mir wahrscheinlich ein schwarz-weißes Foto von sich aus dem Automaten oder einen handgeschriebenen Brief geschickt haben, der unvermittelt in meinem Postkasten zwischen Werbung und Zeitung zum Vorschein kommt. Dann wird sie von Vermissen und von Liebe reden. Wir werden uns ein paar Wochen später in eine dieser Kneipen im Friedrichshain oder in Mitte treffen, in die wir immer gemeinsam gehen. Wir werden Schwarzbier auf Zimmertemperatur oder eiskalten Gin Tonic trinken. Erst wenn die Sonne vor den Fenstern der Kneipe wieder aufgeht, werden wir wieder aufhören zu reden und ich werde ihr durch diesen Abend einmal mehr versichert haben, dass ich immer noch da bin. Durch diese Nacht werde ich wissen, dass sie dankbar ist, dass ich es immer noch bin. Auch wenn sie sehr sparsam ihr Innerstes auf die Theke der Kneipe packt. Wahrscheinlich wird sie dann wieder für ein paar Monate wie vom Erdboden verschluckt sein. Ich lasse es ihr durchgehen. So ist sie. Es gibt nicht viele wie sie.

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nackte Füße

Mit nackten Füßen

Alles fühlt sich so lebendig an, wenn deine Füße, die monatelang in dunklen Schuhen eingeschlossen waren, den nassen Asphalt unter sich spüren. Selbst geteerte Straßen versprühen das Gefühl von Frühling, wenn deine baren Zehen nur noch angenehm kühl vom Regen werden und nicht mehr umgeben von festem Leder frieren. Der vertraute Geruch von Ozon liegt in der Luft nach einem Frühlingsregen.

Es ist dieser Duft, der Menschen wie an unsichtbaren Fäden aus ihre Häusern zieht. Wie Marionetten der ersten warmen Tage laufen sie auf Stein und fühlen sich als würden sie auf satten, grüne Wiesen spazieren gehen. Du fängst an zu hüpfen. Du vergisst die helle Jeans, an die das dunkle Wasser der Straße spritzt. Du vergisst den Stein und die anderen Menschen um dich herum. Du hörst nur das patschende Geräusch von nackten, springenden Füßen auf nasser Straße. Die harten Kanten der Stadt sind wie weichgezeichnet. Es sind so einfache Dinge wie deine nackten Füße auf nassen Wegen, die dich glücklich machen.

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Frühling Neuköllner Schiffahrtskanal

Väterchen Frühling

Ich hatte nicht schlafen können. Obwohl die Party der letzten Nacht spät geworden war,  hatte ich schon ab sieben Uhr morgens immer wieder auf den Wecker schauen müssen. Trotzdem hatte mich bis mittags eine innere Schwere tief in die durchgelegene Matratze auf dem Boden meines Schlafzimmers gedrückt. Mit schmerzenden Schläfen kämpfte ich mich aus den drei Decken und den unzähligen Kissen meines Bettes hervor. Es war nicht das viele Bier des Vorabends gewesen, das meinen Kopf wummern ließ. Die Bettwärme und das stundenlange Nichtaufstehenwollen hatten meinen Körper mürbe für den Tag gemacht. Als ich das Haus verließ, war es bereits nach zwölf. Es war der erste frühlingshafte Tag des Jahres gewesen. Die Sonne hatte hoch am Himmel gestanden und die Laternen der Straße harte Schatten werfen lassen. Ich gehöre zu den Sommerkindern, die aufblühen, wenn die Tage endlich wieder länger werden und die Sonne Sommersprossen auf der Nase malt. Doch an diesem Tag konnte ich die Helligkeit nicht ertragen. Es schmerzte in den Augen, den nach unten gesenkten Kopf zu heben. Stattdessen beobachtete ich meine Füße, wie sich ein grauer Schuh vor den anderen setzte. Es war hypnotisierend. Ich kann nicht sagen wie ich mit gesenktem Blick und halbgeschlossenen Augen den Weg zur Bahnstation gefunden hatte. Aber ich saß in der richtigen Bahn, die mich für einen Tag aus der Stadt bringen sollte, die ich so sehr liebte, dessen Menschen mir aber dieser Tage viel abverlangten. Die Fahrt in die heimatliche Provinz war vertraut gewesen. Die Wiesen und Wälder flogen an den Fenstern der Bahn vorbei. In den schattigen Kuhlen neben der Bahnstrecke hatte noch Schnee gelegen und der Schaffner war der dickliche, freundlich lächelnde Mann gewesen, dem ich auf dieser Strecke schon häufiger begegnet war.

Er stand bereits am Gleis als der Zug Einfuhr. Er war wieder einmal zu eitel gewesen um die Brille aufzusetzen. Er blinzelte über den Bahnsteig in meine Richtung ohne mich zu erkennen. Erst als ich wenige Meter vor ihm stand und ihn anlächelte, machte sich auch auf seinem Gesicht das freudige Lächeln eines Erkennenden breit. Wir umarmten uns. Kurz, aber herzlich. Wir sprachen nicht viel. Ich konnte den Frühling immer noch nicht ertragen und auch meine Laune hatte sich seit dem ersten Blick auf den Wecker in den frühen Morgenstunden nicht gebessert. Ihm musste ich das nicht erklären. Der Tag hatte nur aus Essen, Dösen und wenigen Wortfetzen bestanden. Genauso wie ich die rote Decke auf seiner Couch bis über die Nase gezogen hatte, genauso hatte ich auch eine Decke des Schweigens über die vergangenen Jahre gelegt, wenn es nicht gerade um Koordinaten wie Arbeit oder Wohnung ging. Am Abend hatte er mich wieder zum Bahnhof gebracht und am Gleis gewartet bis der Zug auch wirklich seinen Weg gen Südwesten gemacht hatte. Auch wenn ich nicht viel gesprochen hatte, so hatte er mir eine Geschichte mit auf den Weg gegeben:

Auf einem Markt wurde ein Esel feilgeboten. Der Händler pries ihn als das beste Tier, denn er würde tun, was man ihm sage, solange man sich nur vernünftig um ihn kümmere. Der Mann, der den Esel kaufen wollte, glaubte dem Händler nicht so recht. Er schaut sich weiter um, konnte aber auf dem Markt nichts Gescheites finden. Also kam er zurück zu dem Händler und kaufte den gepriesenen Esel. Der Mann kümmerte sich liebevoll um den Esel, er richtete ihm einen wunderbaren Stall ein. Doch der Esel wollte seine Arbeit nicht verrichten. Der Mann redete und redete, brachte Liebe und Verständnis für den Esel auf, wie es der Händler gesagt hatte. Nichts. Am nächsten Markttag besuchte der Mann den Händler und klagte über den Esel. Der Händler ging mit dem Mann zum Stall des Esels, Mit einer Brechstange haute er dem Tier vor die Beine. Der Esel erschrak, um dann gemächlich aus dem Stall zu trotten um seine Arbeit zu verrichten. Der Händler sagte: Wenn sich etwas ändern soll, brauchen wir Aufmerksamkeit für unser Reden!

Als ich zurück in der Stadt den Zug verließ, hatte das Hell des Tages bereits Platz für den dunklen Abendhimmel gemacht. Die Sonne stach nicht mehr in den Augen, es war kalt und die Straßen waren weniger belebt als mittags, als ich sie verlassen hatte. Meine Laune hatte sich dennoch gebessert. Die Schläfen schmerzten nicht mehr. Die Decke meiner Couch hatte ich gegen eine leichtere ausgetauscht. Am Abend war es Frühling geworden.

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Dass

Es war bereits später Abend als er schrieb. Wir kannten uns nur flüchtig. Wir hatten uns auf einer Party über unsere Bierflaschen angelächelt. Drinnen hatte die Musik gespielt und wir hatten draußen im Hof gestanden, wo die Musik nur noch ein dumpfes Wummern war. Ich weiß nicht mehr worüber wir sprachen, es war auch nicht wichtig. Wichtig war, dass wir uns über unsere Bierflaschen anlächelten und ich mit einem breiten Grinsen am Ende des Abends in die S-Bahn stieg.

Seitdem waren ein paar Wochen ins Land gegangen. Seine Nachricht erreichte mich zu einer Stunde, die zu spät ist, um nach einem ganz normalen Treffen zu fragen und zu früh um eine alkoholinspirierte Idee zu sein. Ich sagte ab. Ich hatte keine Zeit. Ich war auf dem Weg zu einem Freund, der für die meisten meiner Freunde immer nur ein Bekannter von mir gewesen war. Er ist einer von diesen Menschen, mit denen es immer schmutzig wird und wenn man geht, ist es so herrlich unaufgeregt als wäre nichts geschehen.

An diesem Abend ärgerte ich mich fast ein bisschen, dass ich bereits mit der Bahn auf dem Weg zu einem Abend war, dessen Ausgang ich bereits zu kennen glaubte. Es sollte sich jedoch herausstellen, dass meine nächtliche Verabredung nach zu viel Wein in der Spätsommersonne auf der Couch eingeschlafen war, die Klingel nicht hörte und ich umsonst gekommen war. Erleichterung breitete sich mit einem Lächeln auf meinem Gesicht aus. Ich hatte doch Zeit, um schüchtern über grüne Bierflaschenhälse hinweg zu lachen und dabei in kristallblaue Augen zu starren.

Als ich ihm schrieb war es bereits Nacht und ich auf dem Rückweg meiner geplatzten Verabredung. Es regnete. Er versprach mich mit einem Regenschirm von der S-Bahn abzuholen. Ich eilte zum Ausgang der Station und suchte ihn im dunklen Spätsommerniesel. Eine viertel Stunde streunte ich um den Bahnhof bis ich ihn fand. Er hatte zwei grüne Bierflaschen dabei, Kopfhörer auf den Ohren, den Schirm in der rechten Hand. Er hatte auf mich am Gleis gewartet.

Obwohl es regnete entschieden wir uns die Nacht draußen zu verbringen. Wir fühlten uns nach Laufen und nach Zweisamkeit, die nicht durch dichten Zigarettenqualm, laute Musik und die halbgebrüllten Gespräche anderer Menschen in zwei Hälften geschnitten wird. Wir saßen unter Straßenlaternen und lächelten uns über unsere Bierflaschen an. Wir liefen auf unbeleuchteten, matschigen Pfaden durch Parks, kletterten durch kaputte Zäune und hörten dabei Swing aus den Lautsprechern seines Smartphones.

Als er mich nach Hause brachte, waren fünf Stunden vergangen und sechs Bierflaschen hatten ihren Weg für die Pfandsammler unter die öffentlichen Mülleimer gefunden. Ich weiß nicht mehr worüber wir gesprochen haben. Es war auch nicht wichtig. Wichtig war, dass wir fünf Stunden gesprochen hatten.

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Neuköllner Eiswelt.

Noch vor wenigen Wochen glaubte ich, dass es sich mit dem diesjährigen Winter erledigt habe. Die Temperaturen dümpelten um herbstliche zehn Grad und ich hatte mir noch nicht einmal die Mühe gemacht zu schauen, wo denn eigentlich meine Winterhandschuhe abgeblieben sind.

Vor zwei Wochen dann das böse Erwachen – der Winter ist da! Mit Minusgraden, Schnee und roter Nase!

Meinen persönlichen Höhepunkt fand die neue Winterlichkeit am heutigen Sonntag. Zwischen Lohmühle und Estrel ging es auf dem Neuköllner Schiffahrtskanal zu wie bei einem Volksfest. Jung und Alt hatten Kufen unter den Füßen, Schlitten unterm Hintern, Eishockeyschläger undf Gitarren in der Hand oder schmissen sich bäuchlings auf die Schlitterbahnen auf der sonst verschneiten Eisfläche. Selbst Skateboard und Fahrrad wurde auf dem Eis gefahren, was beizeiten für das ein oder andere Amüsement der Sonntagsspaziergänger sorgte. Auch bei mir!

Und wie es sich für einen Berliner Sonntag gehört, durfte trotz eisiger Temperaturen ein kleines, elektronisches OpenAir nicht fehlen. Am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer stand eine “Robbe”, aus der Techno wummerte. Am Ufer standen ein paar zu kalt angezogene, mit dem Kopf nickende Hipster um die Robbe, ihre Hände an Glühwein wärmend. Auf dem Eis – eine große winterliche Sause für Menschen, die noch in ganz kleine Schlittschuhe passen. Aber auch eben solche, die schon die großen Schlittschuhe brauchen. Schön, dass der Winter Berlin doch noch gefunden hat.

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Glitzernde Romanze.

Rumms. Rumms. Wumms. Kabumms. “Er gehört zu mir, wie mein Name an der Tür.” Es ist Christopher Street Day. Die Sonne strahlt mir ihrem breitesten Lächeln vom Himmel und wenn heute nicht die Schwulen, Lesben und Transsexuellen so sehr lachen würden, dann hätte Klärchen sicher den heutigen Wettkampf im um die Wette strahlen gewonnen. Heute aber haben die Anderen gewonnen. Die Anderen. So nennt man sie wohl, unter uns “normalen” Heteros. Und was sich dort dem homosexuellen, heterosexuellen, transsexuellen, sonstwassexuellen Auge bietet ist voller Techno, Glitzer, nackter Haut, Schminke, Luftballons und Schlager. Die homosexuelle Musikparade, die durch Berlin bis zum Brandenburger Tor glitzert, ist gut gelaunt. Vielleicht ein wenig zu gut gelaunt, ein wenig zu viel Glitzer, ein wenig zu viel Rumms und Wumms und Techno. Vor mir steht eine bunte Gruppe Mädels, vereint durch ihre Berliner Schnauze und optisch so unterschiedlich, wie es kaum möglich ist. Sie klagen über die Christophers und Christinas, die dort mitlaufen: echt sind die nicht mehr und gut für’s Image der Homosexuellen schon längst nicht. Aber wen interessiert das schon, wenn die Sonne scheint und der homosexuell, kreative Glam einem den Tag versüßt! Der Popstar der Berliner Homosexuellenszene ist auch da. Nur knapp einen Meter von mir entfernt, schiebt sich Klaus Wowereit durch die Menge, schüttelt Hände und lacht mit um die Wette. Und irgendwie geht alles ganz schnell. Rumms. Rumms. Wumms. Kabumms. Da kommt schon der nächste Wagen, Klaus Wowereit ist weg, die Gruppe Mädels auch. Ein junger Mann tanzt in Unterhosen auf dem bunten Wagen und eine Dragqueen lacht mit einem jungen Mädchen im Arm der staunenden Menge entgegen. Ich geh mir eben mal einen Hot Dog holen…. Rumms. Rumms. Wumms. Kabumms.

 

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