Ich bin so schockiert, ich habe gebloggt.

Die Medien, ja, die schillern nach Außen. Wer Dinge in ein Mikrofon sagen darf, ein Publikum vor den Radios erreicht, der ist was. Und in manchen Fällen vor allem eines: arm.

Am diesem Wochenende habe ich auf einer kulturellen Veranstaltung in Brandenburg moderiert. Nur ein paar Stunden, kein sonderlich großer Aufwand zur Vorbereitung, aber eben auch am Wochenende. Mit mir moderierte eine junge Frau. Dreiundzwanzig Jahre alt, das Bachelorstudium bereits in der Tasche. Nun Volontärin bei einem Lokalradio.

Unter der Woche macht sie die Redaktion und Moderation der Nachmittagsstrecke, schreibt sogar die Nachrichten selbst. Einen Tag vorher. Anders geht es zeitlich nicht. Wenn der Kollege der Morgensendung krank oder im Urlaub ist, sendet sie auch mal ab morgens 6 Uhr los und beendet den Tag nach der Nachmittagsstrecke um 18 Uhr. Also fast: denn häufig arbeitet sie noch von 19 bis 21 Uhr in einem Solarium. Oder am Sonntag noch mal vier Stunden. Denn 700 € brutto Volontärsgehalt reichen nun mal nicht zum Leben.

Nach unsere gemeinsamen Moderation der Veranstaltung standen wir noch bei einer Zigarette draußen. Sie wollte mich dann mit ihrem Auto zum Bahnhof fahren. Da kam der Veranstalter aus dem Gebäude gelaufen und wedelte mit dem Honorarvertrag für meine Moderation, ich müsste noch unterschreiben. Ich unterschrieb, er ging.
Meine Co-Moderatorin sagte mir für sie hätte es kein Honorar gegeben. Der Lokalradiosender hätte sie geschickt, einfach so. Ohne Geld, an einem Sonntag.

Ich wollte mein Honorar mit ihr teilen. Sie wollte es nicht annehmen. Als sie mich zum Bahnhof fuhr, erzählte sie mir wie sie beim Saubermachen ihres Autos einen Umschlag wiedergefunden hätte: 50 Euro waren da drin! Der muss noch von der Oma zum Abiball gewesen sein. Sie war dann erst mal shoppen.

Am Bahnhof trennten sich unsere Wege. Ich fuhr zurück nach Berlin in meine Wohnung, sie ins Haus der Eltern. Heute Abend muss sie noch Nachrichten schreiben.

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Von Seemännern und Mikrofonen.

27. November 2013

Ich habe den gesamten Tag bei der Kulturstiftung Casa Alemana verbracht. Das was ich als zwei musizierende Vagabunden verstanden hatte, stellte sich als deutlich mehr heraus. Die Vagabunden heißen Ben und Hannes und kennen sich vom Tontechnikstudium in Berlin. Irgendwann haben sie ein Segelboot gekauft und sich in den Kopf gesetzt Musik mit Musikern von überall aus der Welt aufzunehmen. Eine Platte daraus zu machen, ein Buch zu schreiben und einen Film darüber zu drehen. Das ist jetzt zwei Jahre her. Weitere neun Monate wollen sie noch unterwegs sein. Den ganzen Tag haben sie mit verschiedensten Musikern aus Cartagena in der prallen Hitze aufgenommen. In der Casa Alemana. In einem grünen Hinterhof. Auf der Stadtmauer am Meer. Ich habe die ganze Zeit gelauscht, Mikrofone und Kameras getragen und mir die Geschichten der Weltreisenden angehört. Es war ein perfekter erster Tag. Die Jungs sind schon wieder unterwegs. Als nächstes Segeln sie nach Jamaika. Hannes wird in ein paar Wochen nach Deutschland fliegen und ich habe ihn zu einem Studiobesuch bei mir verpflichtet, bei dem er diese wunderschöne Geschichte erzählen muss.

Morgen werde ich dann etwas tiefer in die Stadt eintauchen und auch das erste Mal in den Ozean. Die Katze sitzt mir wieder gegenüber auf dem Stuhl. Ich glaube sie möchte etwas von den selbstgebackenen Plätzchen, die die Eltern meiner Freundin mir für sie mitgegeben haben und die jetzt auf dem kleinen Tisch im Innenhof stehen.

Fotos von diesem wunderbaren Tag gibt es in einem anderen Eintrag.

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Cartaribik!

26. November 2013

Geschafft! Mit viel Verspätung bin ich gestern Abend in Cartagena gelandet. Meine Freundin hat mich auf einen belebten Platz in der Nähe ihres Hauses mitgenommen. Es war voll mit Menschen, Jongleuren, jungen Leuten die Kunststücke mit Skateboards und Hula Hoop Reifen machten. Wir haben gefüllte Maisfladen gegessen und noch ein Bier getrunken. Dann sind wir nach Hause. Sie lebt im Haus eines Künstlers. Durch sein Atelier gelangt man in einen kleinen Innenhof, an den mehrere Zimmer angrenzen, in denen junge Leute wohnen. Ich fand es gestern hier schon sehr schön. Als ich heute morgen im Hellen aufwachte, sogar noch ein bisschen mehr. In der offenen Küche sich ein Müsli zusammenmixen und es dann im Hof unter dem Sonnensegel und dem wachsamen Blick einer Katze zu essen, ist schon gut. Die Freundin, die ich hier besuche, ist bereits zur Arbeit gegangen. Sie arbeitet in einer kleinen Kulturstiftung in der Altstadt von Cartagena. Dort werde ich jetzt hingehen. Zwei Künstler aus Rostock, die die Welt umsegeln sind zu Gast und werden ein bisschen Musik machen. Danach werde ich mich durch die bunten, karibischen Gassen treiben lassen und an den Sommersprossen arbeiten.

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Flucht vor Kälte.

26. November 2013

Ich hänge gerade am Flughafen in Bogotà fest. Mein Flug nach Cartagena hat Verspätung. Das habe ich nun über Umwege herausgefunden. Denn das einzige Gate an dem die Anzeige nicht funktioniert ist meins und was die hier so auf Spanisch erzählen, verstehe ich sowieso nicht. Das wird abenteuerlich werden, wenn sie nicht mal am Flughafen Englisch sprechen. Das ist wie das erste Mal in China sein, nur ohne Schriftzeichen. Wenigstens kann ich mir mit meinen verkümmerten Französischkenntnissen noch etwas zusammenreimen. Die Sonne hat meine Haut noch nicht geküsst. Die Sonne ging schon unter als ich hier ankam. Jetzt ist es Abend. Eine Freundin wird mich in Cartagena am Flughafen erwarten. Wir werden zu Ihr nach Hause fahren und noch etwas essen gehen. Dann wird es spät sein und ich wohl todmüde ins Bett fallen. Ab morgen arbeite ich an den Sommersprossen.

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Briefwechsel.

Manchmal bist du beschäftigt. Keine Zeit. Es ist gar nicht so, dass du nicht genug Zeit hättest. Der Kopf ist nur einfach zu voll mit anderen Dingen. Es gibt so Zeiten. In dieses Blog wurde in den vergangenen Monaten wenig geschrieben. Dabei habe ich so viel geschrieben, wie schon lange nicht mehr. Emails. Viele, viele Emails. Auch meine Reise nach Kolumbien im vergangenen November ist in vielen elektronischen Briefen festgehalten. Ich habe mich dazu entschlossen, meine Mails, die ich in Kolumbien geschrieben habe in etwas veränderter Form zu veröffentlichen. Das ist auch der Grund, warum diese Reiseeinträge ausnahmsweise auf Deutsch kommen.

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Das hörbare Hörfunkparadies.

Manchmal brauchen Dinge Zeit. Auch das Schreiben von Beiträgen. Seit Oktober arbeite ich im Paradies. Dem Hörfunkparadies Radiobüro im schönsten Stadtteil Berlins. Wir sind ein netter Haufen Hörfunkjournalisten und ein feiner Herr Podcaster. Wir teilen uns nicht nur ein kleines Studio, den Kaffee und einen großen Raum mit Schreibtischen, wir teilen auch einen Podcast. Die erste Folge könnt Ihr hier anhören, es ging um On Air Personalities. Bald wird es auch einen Feed auf unserer Seite geben. Zuhören und Feedback geben! Wir freuen uns!

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Sailing Conductors in Cartagena

Hit The Sea Jack.

You just arrived in Colombia, in the beautiful old town of Cartagena. You visit a friend here and when you wake up, you are alone. She has left for work. There are two sailing vagabonds coming over to Casa Cultural Colombo Alemana. This is at least what you thought. But those two young sailors where not some vagabonds, playing some music on a guitar. It’s more. Hannes and Ben call themselves the Sailing Conductors. Once they did not know what to do after their studies and so they bought a sailing boat. And since then they were recording music on their trip with people from all over the world. This is about two years ago. That particular day they were in Cartagena. In the Casa Alemana, where your friend was working and you were dropping by. There were still eight more months to go for them. They recorded the whole day, in the heat of the day and the glooming sun of Carribean Cartagena. You were a listener. Both of the music. And their stories. There were a lot to tell. What a good start. Hello Colombia!

 

 

 

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Trainstation

Zugkompliziert.

In dem Film in deinem Kopf wäre es dunkel gewesen. Du hättest in die Dunkelheit des vollen Zugabteils gestarrt und der Regen wäre in dicken, schweren Tropfen schräg im Fahrtwind des Zuges an der Scheibe hinunter gelaufen. Stattdessen sitzt du da, im grellem, kalten Licht der Neonröhren. Es regnet nicht, aber der Zug ist trotzdem bis auf den letzten Platz besetzt. In den Gängen stehen dicht gedrängt die Menschen. Du willst niemanden ansehen und du willst kein Licht. Also schließt du die Augen und trotzdem ist es noch zu hell. Aber die geschlossenen Lider lassen die feuchten Augen nicht noch feuchter werden. Doch es ist egal, ob du die Augen geschlossen hältst oder offen, da ist dieses Bild von einem Gesicht, dass sich in dein poetisches Gedächtnis eingebrannt hat: die nassen aus dem Gesicht gestrichenen Haare, der kleine, kaum sichtbare Fleck an der Unterlippe. Du setzt die Kopfhörer auf und schaltest die Musik ein, um dich ein Stück mehr in dich zurückzuziehen. Es spielt das Lied mit der leisen Gitarre und den Bläsern, das du in den nächsten Tagen immer wieder hören wirst. Du wechselst den Zug, die Menschen werden weniger, das Licht weniger grell. Und als du dort aussteigst, wo du nur noch wenige Meter von dem Ort entfernt bist, den du Zuhause nennst, shuffelt die Musik diesen furchtbaren Song, der schon die ganzen letzten Tage lief. Du bekommst ihn nicht aus dem Kopf. Wie das Bild von diesem einen Gesicht aus deinem poetischen Gedächtnis.

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